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Dezember ´06: Die "Maris II" ist verkauft, hier geht´s zum neuen Schiff (klicken)

Maris II
Storebro Royal Cruiser 34 / Adler 34

Hier gehts zu den Törns:

- Auf zum Mittelmeer (2003)
- Von Pula nach Kukljica (2003)
- Der erste Urlaub (2003)
- Jahreswechsel 2003/2004
- Von Kroatien nach Griechenland (2004)
- Endlich in Griechenland (2004)
- Griechenland/Korfu (2004)

Griechenland/Korfu


Am nächsten Morgen hat sich der Wind noch weiter beruhigt und wir machen uns auf den Weg zu unserem ursprünglichen Ziel, nach Antipaxos und Paxos. Die Fahrt dorthin ist traumhaft schön. Es ist beinahe windstill und sehr warm. Als wir relativ weit draußen sind und zu allen Seiten kein Land mehr zu sehen ist, stellt Andreas kurz die Maschinen der Maris ab. Wir dümpeln einfach eine Weile auf dem total glatten Wasser und genießen die unendliche Stille und die Wärme der griechischen Sonne. Alle Probleme dieser Welt scheinen weit, weit weg und wir kommen beide innerlich so richtig zur Ruhe. Aber leider kann dieser Zustand nicht ewig dauern, zumal – wie üblich in Griechenland – der Wind pünktlich am Mittag wieder da ist. Also Maschinen an und weiter.

Unser Badestopp bei Antipaxos ist die Bucht O. Agrapidia. Am Abend fahren bis in den verschlafenen Hafen von Mongonissi. Der Hafen liegt wie verwunschen hinter einer kleinen Kaimauer. Sobald man die Einfahrt passiert hat, ist es, als ob jemand den Wind einfach abstellt. Das Hafenbecken ist dicht beleget mit Yachten, unter anderem eine amerikanische Crew, die aufgrund ihres Geräuschpegels und ihres Alkoholkonsums etwas aus dem Rahmen fällt. Wir finden (geringer Tiefgang sei Dank) aber Platz an der Kaimauer und wandern am Abend bei immer noch sehr hohen Temperaturen langsam die weit geschwungene Strasse hinauf, die vom Hafen über die Insel führt. Der Ausblick über die See ist grandios. Die Anzahl luxuriöser, bis unter die Zähne gesicherter Ferienhäuser und Villen auch. Antipaxos (und auch Paxos) ist offensichtlich die Ferieninsel für die gehobeneren Schichten, vor allem der Griechen und Italiener, aber auch viele Deutsche scheinen hier ein höchst angenehmes Dasein zu fristen.


Am Morgen hält es Andreas aber nicht lange in dem friedlichen Örtchen. Seit Tagen schwärmt er von einer "Karibikbucht" bei Paxos, die er schon entdeckt hat und in der unbedingt mit mir baden und schnorcheln will. Ich denke an schöne stille Stunden mit Boot, Mann und Meer, und so geht es bereits am Morgen wieder weiter bis Paxos. Die Bucht hält, was Andreas verspricht. Heller Sandstrand, traumhaft grün-türkises Wasser, glasklar und warm. Beim Schnorcheln hat man den Eindruck, man sieht kilometerweit. Außer uns sind noch eine Segelyacht, ein kleines Motorboot und – weiter entfernt – ein Katamaran in der Bucht. Die reinste Idylle. Nach dem ersten Badegang legen wir uns an Deck in die warme Sonnen. Einfach Augen zu und träumen.

Plötzlich aber kommt Schwell auf, die Maris kommt ins Schaukeln. Wir schauen hoch, blinzeln und trauen unseren Augen nicht: direkt vor uns hat ein Touristenboot gestoppt. Das Heck mit Gangway reicht gefährlich nah an uns heran. Das stört die einheimischen Skipper wenig. Sie wollen ihre Gäste so weit wie möglich reinbringen in die Traumbucht. Etwa 150 zum Teil sehr weiße oder auch sehr rote, sehr übergewichtige und sehr unsportliche Menschen springen waghalsig von dem Boot in das ihnen gänzlich unbekannte Gewässer. Was für eine Freude – für die anderen.

Kaum haben wir den Schock verdaut, nähert sich das zweite Ausflugsboot dieser Art. "Na, die müssen jetzt aber weiter hinten bleiben", sage ich erleichtert, habe aber nicht mit den risikofreudigen Skippern gerechnet die, ohne mit der Wimper zu zucken, noch an dem ersten Boot und uns vorbeirauschen, um ihre Meute nun fast direkt am Strand auszukippen. Nochmal 150 Menschen, die jetzt alle um die Maris herum schwimmen, schnorcheln, sich mal am Schiffsrumpf, mal an der Badeleiter festhalten und auch sonst den Eindruck erwecken, als kämen sie gleich mal kurz auf einen Drink an Bord.

Und da kommt das dritte Boot in der Art! Der Katamaran hat mittlerweile das Weite gesucht, die anderen Seglern signalisieren ebenfalls Genervtheit. Aber selbst wenn wir wollten, wir kämen hier jetzt gar nicht mehr raus. Also müssen wir uns in Geduld üben. Andreas zahlt es den uns fotografierenden Touris heim, holt auch die Kamera heraus und fotografiert nun seinerseits die im Wasser dümpelnden Körper. Nach etwa einer Stunde ist der Spuk vorbei, und die vorherige Ruhe kehrt wieder in die Bucht ein. Wir warten noch, bis sich das Wasser wieder gereinigt hat und haben dann die "Karibikbucht" wieder für uns.


Unser Ziel für den Abend heißt Gaios auf Paxos. Die Einfahrt zum Hafen erstreckt sich wie ein langer schmaler Schlauch, in dem bereits rechts und links an der Kaimauer zahlreiche Boote festgemacht haben. Von Meter zu Meter wird es an Land interessanter. Die Zahl der Restaurants, Bars und Yachten nimmt zu, lebhaftes Anlege-Getümmel herrscht auf der Kaipromenade. Andreas fährt unbeirrt weiter in den Schlauch hinein. "Lass uns doch auch hier schon einen Platz nehmen", rufe ich ihm zu, "dann müssen wir am Schluss nicht noch aufwändig wenden und wieder zurück". "Nein, wir fahren bis vorne hin", ordnet mein Skipper an, "wenn da Platz ist, liegen wir quasi direkt mitten in der Altstadt".

Wieso muss man eigentlich immer auf den Skipper hören, denke ich genervt. Aber natürlich ist am Ende zwischen zwei Yachten noch ein Platz frei. Sehr eng allerdings, denn die eine Yacht liegt ungünstig quasi in der Mitte von zwei Liegeplätzen. "Den Platz nehmen wir", triumphiert Andreas und ich frage mich schon wieder, wieso man eigentlich immer auf den Skipper hören muss. Ich stehe mit der Leine bewaffnet am Heck und bereit zum Sprung, als ich sehe: der Liegeplatz hat nur einen Ring, und der ist bereits dick belegt. Auf der anderen Seite fehlt der Ring. Und die andere Yacht liegt deshalb so ungünstig, weil sie bereits mit einer Leine zum nächsten Ring abgespannt wurde. "Da ist nichts zum Festmachen", brülle ich nach vorn, "fahr wieder raus." Andreas kann vom Fahrstand den Kai eigentlich nicht einsehen, ruft aber erstmal: "So`n Quatsch. Spring endlich rüber". Mittlerweile ist ein hilfsbereiter Mensch von dem Boot neben uns auf den Kai getreten und ruft mir zu: "Da ist nichts zum Festmachen". Entnervt kommt Andreas nach hinten, lässt die Maris einfach tuckern, was für ein Glück, dass kein Wind ist. "Was sagt er?", fragt er mich. Da gebe ich es auf und gebe ihm die Leine. Er springt rüber, guckt kurz und ruft: "Da ist ja gar nichts zum Festmachen…"

Wir bleiben trotzdem, auch wenn der hilfsbereite Mensch von der Nebenjacht etwas angenervt ist, denn nun liegen wir quasi unter seiner Leine und müssen unsere ebenfalls quer festmachen zum übernächsten Ring, aber irgendwann ist alles gut. Da sitzen wir nun mitten in der Altstadt von Gaios. Wenn wir das Boot verlassen und fünf große Schritte machen würden, könnten wir uns bereits an den Tisch eines Restaurants setzen. Da wir aber gar keine großen Restaurantgänger sind, sitzen wir bei Orangensaft und Keksen (die selbstgebackenen von griechischen Bäckern sind unschlagbar! Geschätzter Nährwert: Zwei Kekse = eine komplette Mahlzeit…) im Fahrstand und werden von dem Treiben auf der Promenade bestens unterhalten. Später machen wir natürlich noch einen Spaziergang durch Gaios. Der Ort hat den Tourismus einfach irgendwie mit eingebaut, ohne seine Ursprünglichkeit zu verlieren. In den Gassen liegt der Fleischer neben dem Designschmuckladen, der Gemüsehändler neben der Modeboutique und der Kramladen neben dem Nobelrestaurant. Die Strassen sind aber nicht nur Vergnügungs- und Einkaufsmeile sondern auch Wohnviertel der Einheimischen. Es gibt so viel zu sehen, zu riechen und zu erfühlen, dass wir mehrere Stunden unterwegs sind. Was man allerdings bei so einem Liegeplatz in Kauf nehmen muss: Vor zwei Uhr morgens kriegt man da kein Auge zu…

Am nächsten Morgen schwingen wir die Fahrräder an Land (wie einfach, wenn man die nicht erst ins Beiboot hieven muss..) und schauen uns die Orte Longos (6 Kilometer von Gaios entfernt, ein Katzensprung) und Lakka (noch mal 9 dazu, ich habe Andreas gewarnt, er wollte es aber unbedingt…) an. Lakka ist ähnlich groß wie Gaios, aber ein reiner Touristenort, der schon am Tag sehr lebhaft wirkt.

Wie es dort am Abend zugeht, sollten wir noch erfahren. Nach der Fahrradtour legen wir ab und kehren in die nächste Bucht nach der Hafenausfahrt ein. "Hey, da ist ja Raymond", ruft Andreas erfreut, als er in der Bucht eine kleine Segelyacht ausmacht. Raymond kenne ich bislang nur aus Erzählungen. Andreas traf den hageren, braungebrannten Mittfünfziger, als er Wochen vor unserem Urlaub mit Bekannten (weiblichen Bekannten!) unterwegs war. Aus einem kurzen Gespräch zwischen den Mädels und der Raymond-Crew hatte sich an dem Abend gleich ein ausgiebiges Barbeque entwickelt.

Damals hatte Raymond Arbeitskollegen mit an Bord – und so ist es heute auch. Der Brite, der nur noch im Winter bei einer Mineralölgesellschaft in England arbeitet und den Sommer rund um Paxos verbringt, ist wieder mit drei Kollegen unterwegs Es ist früher Nachmittag, und die vier sind schon sehr heiterer Stimmung. Es lässt sich nicht genau herausfinden, ob diese Heiterkeit noch vom Vorabend stammt oder sich bereits wieder über Tag entwickelt hat. Die Tüten mit den zahlreichen leeren Bierdosen an Deck geben darüber keinen Aufschluss. Ohne Umschweife kommen die Herren durchs Wasser geschwommen und an Bord der Maris, um das Schiff zu bestaunen. Dabei stellt sich heraus, dass Raymond exakt die gleiche, etwa 30 Jahre alte Selbststeueranlage hat wie wir und dazu auch noch die Original-Bedienungsanleitung. Da wir gerade etwas Probleme mit dem Gerät haben, verspricht er uns, in Lakka davon Kopien zu organisieren. Das Quartett will die Nacht in Lakka verbringen und den Abend dort (ich befürchte, so wie jeden anderen Abend auch) ordentlich begießen. Wir verabreden uns mit den vieren erstmal zum Essen und ahnen nicht, was für ein Spießrutenlauf daraus werden wird. Zunächst ankern wir aber in der Bucht vor dem Hafen von Lakka, während Raymond und seine Gäste am Kai anlegen. Langsam geht die Sonne unter, es liegt eine stimmungsvolle Ruhe über der Bucht, obwohl hier mindestens 30 Boote vor Anker liegen. Plötzlich aber wird an Deck einer Yacht etwas aufgebaut, geraschelt, leise Stimmen tuscheln und unterdrücktes Lachen dringt herüber. Dann aber schallt es laut und theatralisch durch die Bucht: Dudelsackklänge. Die Crew einer britischen Yacht begeht offensichtlich so den Sonnenuntergang. Sie spielen so etwa 15 Minuten lang zum Teil auch bekannte Meldodien. Der Himmel verfärbt sich allmählich lila, kein Lüftchen weht. Mittlerweile stehen alle Crews an Deck und lauschen. Dann sind die Dudelsackspieler fertig. Ein Moment der Stille tritt ein, und dann: Tosender Applaus von allen Yachten….

Etwas später setzen wir mit dem Beiboot über zum Ort. Raymonds Schiff ist dunkel, dann sind die vier wohl schon unterwegs. Wir klappern die Kneipen von Lakka ab, die auch jetzt, in der Nachsaison, noch voll besetzt sind und finden zumindest zwei: Raymond und einen Kumpel. Allerdings noch immer in Badehose und ungeduscht, dafür mit zwei blonden britischen Mädels am Tisch, die offensichtlich zu einer Charterflottille gehören. "Oh", sagt Raymond, als er uns sieht, "wir sind total im Verzug", (Anmerk. Ich habe den Eindruck, nicht mit dem Vernichten alkoholischer Getränke, dass steht fest), "mit Duschen und Umziehen meine ich. Wir kommen sofort. Wir wollen in dem Restaurant da essen, nicht hier vorn das, sondern der dahinter, wo man hier so durchsehen kann." Während wir noch rätseln, welches der etwa acht Restaurant er wohl meint, verschwindet er auch schon. Wir schlendern noch ein halbes Stündchen in der Gegend herum, niemand kommt wieder. Auch werden wir uns nicht einig, welches Restaurant Raymond gemeint haben könnte. Also setzen wir uns auf eine Bank mitten auf den Marktplatz, beobachten das Treiben und warten. Etwa noch eine halbe Stunde später flitzt der Brite – diesmal gestriegelt und chic gemacht - an uns vorbei. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass Raymond tatsächlich schon mal die Bedienungsanleitung der Selbststeueranlagein einem Lädchen abgegeben hat, die angeblich einen Kopierer haben. "Könnt Ihr gleich morgen früh abholen", sagt er und ist schon wieder unterwegs. "Kommt mit, kommt mit, die Jungs sind da drüben in der Bar", ruft er uns im Laufschritt zu, "da müssen wir erst noch rein. Was wollt Ihr trinken?" – Das kann ja heiter werden.…. So vergeht der Abend wie im Flug, wir werden noch in diverse Bars und Cafès geschleppt, verlieren mal wieder zwei der Engländer, die dann aber auf wundersame Weise wieder auftauchen, und etwa zwei Stunden später sitzen wir tatsächlich doch noch an dem Tisch irgendeines Restaurants. Eine sehr nette Unterhaltung kommt in Gang, zum Teil mit philosophischer Tiefe, wenn es in der Diskussion darum geht, ob man so schnell wie möglich eine Altersteilzeit nutzen und Dreiviertel des Jahres in Griechenland verbringen sollte. Als die Griechen dann aber karaffenweise! einen Schnaps servieren, der ganz hervorragend als Treibstoffersatz verwendet werden kann, denn das Zeug brennt ausgezeichnet (Tsipouro, sagt vielleicht dem einen oder anderen etwas?) und die vier ein echtes Kampftrinken veranstalten (wer kippt die meisten Gläser) wird es Zeit, dass wir uns verabschieden. Auf dem Rückweg zur Maris versagt der Außenborder des Dingis seinen Dienst, und so komme ich den Genuß einer nächtlichen Ruderpartie durch die mondhelle Bucht, vorbei an den Dudelsackspielern und allen anderen Yachties, die diesen traumhaften Ort in friedlicher Übereinstimmung als Übernachungsplatz nutzen.

"Gleich morgen früh sind die Kopien fertig", so hatte Raymond versprochen. Wer die Griechen kennt, weiß, wie lang da der frühe Morgen sein kann. Dennoch fährt Andreas am Morgen noch mal rüber, nur um an die Kopien zu erinnern. "Die mache ich jetzt gleich", verspricht der Besitzer eines Charterladens freundlich und verlässt den Laden Richtung nächstes Café. Um 11.30 Uhr erfolgt unsererseits die nächste Erinnerung, und so sind wir guter Dinge, die Kopien am Abend zu erhalten. Jetzt aber verlassen wir den Hafen von Lakka, um verschiedene Höhlen an der Westseite von Paxos zu besichtigen. Das Wasser dort ist dort glasklar, und mit etwas Mut kann man in die Höhlen hinein und durch manche sogar hindurch schnorcheln.

Es ist schon spannend und unheimlich zugleich, wenn in den Höhlen manche Teile im Stockdunklen liegen, dahinter aber helle, von der Sonne beschienene Wasserteile wieder die Entdeckung interessante Fischchen und Pflanzen versprechen. Abends geht`s zurück nach Lakka, und siehe da: Die Kopien sind fertig!!

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Rückweg nach Korfu, wollen aber eigentlich in Benitsi anlegen, um mit den Fahrrädern zum Achilleon zu fahren, dem Sommersitz von Kaiserin Sissy, die hier gern die Sommerfrische genossen und sich von dem dauernden Stress am Habsburger Adelshof erholt hat. Aber in Benitsi ist nichts mehr so, wie es unser Hafenführer dargestellt hat. Für uns gibt es dort keine Anlegemöglichkeit, und so fahren wir weiter bis zur Bucht vor dem Yachtclub NAOK. Dieser Club und der Corfu Sailing Club Mandraki liegen direkt an den Füßen der Stadt Korfu, der Corfu Sailing Club ist am Land sogar nur durch die Festung der Stadt zu erreichen. Bei beiden Clubs erkundigen wir uns nach den möglichen Liegemodalitäten, nach Dauerliegeplätzen und Preisen und werden bei beiden erstaunlich freundlich beraten und empfangen. Zwar können beide noch nichts genaues für das kommende Jahr sagen, sind aber in keinster Weise ausländischen Gästen gegenüber abgeneigt. Einzig beim Corfu Sailing Club gibt es zunächst eine Diskussion darüber, ob der traditionelle Segelverein nun tatsächlich Motorboote aufnehmen würde, aber die alte Maris stimmt den Vorstand milde. Aber auch hier gibt es noch keine konkrete Auskunft, das ist wie mit den Kopien, da muss man eben mehrmals erinnern, aber der Anfang ist gemacht.
Achilleon bekomme ich dann doch noch zu sehen, denn wir fahren man nächsten Tag von der Bucht am Club NAOK aus mit den Fahrrädern dort hinauf. Fahrradfahrer werden – zumindest in städtischen Regionen - in Griechenland genau entgegengesetzt behandelt wie in Deutschland. In Griechenland ist der Fahrradfahrer ein Nichts. Er hat nie Vorfahrt, auch wenn die Verkehrsregeln es anders meinen. Wenn er die Abbiegerichtung anzeigt, kann er sich sicher sein, dass ein Autofahrer ebenfalls ein Handzeichen gibt, was eindeutig signalisiert: Erst das Auto – dann du. Wer als Radfahrer an einem Kreisverkehr abbremst und hofft, die Autos lassen ihn dazwischen, wird noch bei Einbruch der Dunkelheit dort stehen und nie in den Fluss des Kreisverkehres aufgenommen. Da hilft nur rigoroses Weitertreten, dass dem Autofahrer klar macht: Du willst nicht bremsen? Ich auch nicht. Und die Schramme in deiner Seitentür bezahlst Du selbst…
Bei Achilleon steppt der Bär. Mehrere Busse haben Touristen ausgeladen, andere Fahrradfahrer stoßen dazu und haben, der Gesichtsfarbe nach zu urteilen, den Anstieg zum Schloß genauso unterschätzt wie wir. Das ganze kostet auch noch einen Haufen Geld Eintritt (12 Euro pro Nase), ist dann aber ganz nett.

Vor allem die alten Original-Fotos und Original-Möbel in den ehrwürdigen Schlossräumen sind spannend anzusehen, und mit etwas Phantasie und wenn man die vielen Touris in kurzen Hosen, viel zu engen Tops und mit den eingeölten Beinen im Geiste mal ausblendet, kann man sich vorstellen, wie Sissy seinerzeit durch den riesigen Park gewandelt ist.
Unser Liegeplatz in der Bucht zwischen den beiden Segelclubs von Korfu ist genial. Von hier aus können wir immer leicht einen Landgang machen und sind unmittelbar in der City von Korfu.

Schaut man am Abend die einzelnen Gassen und Boulevards entlang, erfasst das Auge eine sich städndig bewegende, wogende, plappernde, lachende Masse Menschen, die hier bummeln, essen gehen oder shoppen. Natürlich reiht sich Souvenirladen an Souvenierladen, die echten Schnäppchen und echten Handarbeiten sind für mich als Laien kaum von den nachgemachten Dingen zu unterscheiden. Auch sind die Preise für Essen und Trinken äußerst gesalzenen. Dennoch hat die Altstadt ein unschlagbares Flair, lichtdurchflutet und mit der direkten Anbindung an den riesigen Fährhafen.

Die Läden und Lädchen sind zum Teil in den Stein der Hausmauern geschlagen, die Mauern werden nicht etwa geschliffen und tapeziert, sondern der Naturstein wird als Deko genutzt oder kunstvoll ausgeleuchtet. Beim Bummel durch die uralte Festung fällt sofort der geschliffene Steinboden auf, der zum Teil spiegelglatt sein kann und natürlich die Klänge unterschiedlichster Instrumente, die aus den Fenstern und Türen der steinernen Mauern herausquellen. In der alten Burg ist ein Teil der Musikschule Griechenlands untergebracht. Es ist an diesem Abend noch lange sehr warm, und wie das in südlichen Ländern so üblich ist, sind die Eltern mit ihren Kindern deshalb auch lange draußen. Die Kleine spielen und juchzen auf den Plätzen und in den Grünanlagen der Stadt, vergnügen sich mit …. oder bestaunen die geschmückten Kutschen und ihre Pferde, die darauf warten, dass sich Touristen für eine Rundfahrt entschließen. Erst viel später wird es etwas ruhiger, und nachdem wir unser "Schätzchen" im Wasser von der Festungsmauer aus noch genügend bestaunt haben, kehren wir für die Nacht auf unser Boot zurück.

Am nächsten Morgen fahren wir in die Marina Gouvia zurück. Zum einen ist schlechtes Wetter angesagt, zum anderen will ich unbedingt noch mit dem Fahrrad ein Stück des Inlandes erkunden. Zunächst aber schauen wir nach, ob Paul auf seinem Katamaran "Mupfel" da ist.

   

Doch das Schiff ist unbewohnt, aber Bernhard und Brigitte von der "Potami" wissen mehr. Paul ist nach München zurückgeflogen, um wichtige Familienangelegenheiten zu regeln. "Der wird aber heute zurück kommen", wissen die beiden. Spät am Abend steht Paul dann vor der Maris und hat leider nicht nur gute Nachrichten. Denn Mona, die gestandene Seglerin, die ihn eigentlich bis in die Türkei begleiten wollte, ist ebenfalls wieder zuhause in der Schweiz. Ihr Sohn, der kurzzeitig auch mit auf Korfu war und dort Ferien machen wollte, ist mit dem Motorroller auf Korfu verunglückt und schwer verletzt. Auf dem Weg in die Schweiz per Hubschrauber ist der 36jährige dann noch kollabiert und konnte nur in letzter Minute gerettet werden. Klar, das Mona jetzt nicht mehr an Segeltörns und die Türkei denkt, sondern erstmal ihren Sohn versorgt. Paul allerdings hat jetzt keinen Schimmer, wie er den Termin in der Türkei halten soll. "Na, das wird sich irgendwie finden", wischt er die trüben Gedanken weg. "Ach übrigens: Ich habe Weißwurst und Brezel aus München mitgebracht. Kommt doch morgen zum Essen rüber", lädt er uns ein. Am nächsten Tag mache ich aber erst meine ausgedehnte Fahrradtour, fahre von Gouvia bis Pälokristas, bewundere die Aussicht übers Meer und versuche den Felsen zu orten, der aussehen soll wie das Schiff von Odysseus, das angeblich in dieser Bucht zu Stein erstarrte. Na ja, mit viel Phantasie… Von dort geht`s weiter in die Berge nach und …. und schließlich bin ich ….Meter hoch. Über mir ziehen Drachenflieger lautlos ihre Kreise. Mitten in der Walachei kommen mir Gleichgesinnte entgegen: zwei Mountainbiker, die erstaunt fröhlich grüßen. Ich bin wie immer bei solchen Trips viel zu spät, denn Paul hatte bereits zum Mittag zum Essen geladen. Ich rufe Andreas kurz auf dem Handy an, aber der beruhigt mich: "Mach Dir keine Gedanken, dass mit dem Essen wird erst am späten Nachmittag was, die anderen haben es auch nicht so früh geschafft". Dann kommt die (zum Glück flache und lang gezogene) Abfahrt nach Gouvia. Das Rad rollt und rollt, manchmal fahre ich Kurven im Takt mit den Drachenfliegern am Himmel. Nach knapp vier Stunden bin ich erschöpft, aber vollkommen zufrieden wieder in der Marina. Wir steuern einen Salat zum Essen bei und sitzen später in einer höchst vergnüglichen Runde. Außer der üblichen Hafenrunde sind noch holländische Freunde von Paul dazu gekommen. Sie sind seit fünf Jahren mit einem Segelboot unterwegs und können die unglaublichsten und lustigsten Geschichten erzählen, die wir je gehört haben. Es ist mein vorletzter Abend in Gouvia und ein toller Urlaubsabschluss: Mit Weißwurst und Brezeln bei knapp 30 Grad auf einem Katamaran....


Der Abschied fällt mir sehr sehr schwer. Andreas wird noch zwei Wochen länger bleiben, denn zum einen wird er die Maris winterfest machen und auskranen lassen, zum anderen aber hat sich noch Rainer mit Barbara und einem befreundeten Ehepaar angekündigt. Wir hatten den beiden so viel von Griechenland vorgeschwärmt, dass sie sich tatsächlich mit ihrem Katamaran von Kroatien aus auf den Weg gemacht haben.

Leider haben wir uns knapp verpasst: Sie kommen in Gouvia einen Tag nach meiner Abreise an. Andreas aber zieht noch eine Woche mit dem Quartett umher, auch wenn das Wetter jetzt, Mitte September, doch etwas rauer, stürmischer und kühler wird. Trotzdem betrachtet Rainer die Region um Korfu, Sivota und…. mit offenen Augen und kommt zu dem Schluss: "Im nächsten Jahr kommen wir mehrere Monate hier her." Na hoffentlich zu Zeiten, in denen ich auch da bin!!
Paul kommt der Lösung seines Problemes in den letzten Septemberwochen dann zumindest etwas näher. Denn Bernhard erklärt sich bereit, ihn zumindest bis nach Athen zu begleiten. Und ab da entschließt sich der Münchner, die Tour doch allein zu wagen. Unter schwierigsten Bedingungen (Wind, Wetter, großes Schiff) schafft er es aber tatsächlich, pünktlich zur Multihull Sailingweek in der Türkei. Nichts ist ihm und dem Schiff bis dahin passiert. Doch dann rammt er beim Start ein anderes Boot und……..Aber egal: Er hat sein Ziel erreicht. Hut ab, Paul! Das er sich wenige Wochen später beim Skifahren in München zwei Rippen bricht (angeblich ist jemand in ihn reingefahren, na ja, das würde ich auch sagen) nimmt er nach der Griechenland-Türkei-Tour höchst gelassen. "Ist nicht so schlimm ich kann schon wieder lachen", ist der erste Satz im Januar am Telefon.
Nun steht die Maris II also in Gouvia an Land und hat bis jetzt (Mitte Januar) alle Herbst- und Winterstürme gut überstanden. Im April wird Andreas wieder hinfliegen. Und dann ist es endlich wieder Sommer…

Dagmar

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