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Dezember ´06: Die "Maris II" ist verkauft, hier geht´s zum neuen Schiff (klicken)

Maris II

Storebro Royal Cruiser 34 / Adler 34

Baujahr 1975
Länge 10,35m
Breite 3,20m
Tiefgang 0,95m
2 TurbodieselFord Mermaid Majestic 6.0 l
jeweils 180 PS/134,5 Kw
Doppel-Wellenanlage
Rumpf GFK
Aufbau Mahagoni
Deck Teak
1000 l Dieseltank
300 l Frischwassertank
Plicht mit Hardtop
Salon
2 Kabinen
4 / 6 Kojen
Bad mit WC, Waschbecken und Dusche
Pantry im Salon, 2 Flamm-Kocher
Kühlschrank
grosse Badeplattform mit Badeleiter
Heckaussendusche warm/kalt
Davits für Beiboot "Bombard" mit 4 PS AB
hydraulische Trimmklappen
2,70 lange ! faltbare ! Gangway (Rarität)
jede Menge Festmacher, Fender, Landleine
3 Siemens-Solarmodule á 55 Watt
Spannungswandler 2 Kw
220 Volt Bordnetz in allen Kabinen
4 getrennte Batteriebänke
UKW Funkgerät
Echolot
Sumlog
GPS Furuno
Autopilot
Kompass
Radar "Decca"
TV/Video/HiFi
elektrische Ankerwinsch mit 40m Kette
Ankerwinsch steuerbar vom Fahrstand
Bügelanker 16 kg
2. Anker mit 40m Bleileine
3 Lenzpumpen, 2 elektrisch, 1 manuell
Rettungsinsel für 6 Personen
Rettungswesten für 6 Personen

Sonnenpolster auf der Achterkabine
Persenning als Bimini abknöpfbar achtern
Schnorchel-Equipment
Ski-Tube
Angelausrüstung

Historisches über STOREBRO-Yachten
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"Sag` mal, wäre es nicht toll, wenn wir ein Boot hätten"?

Der Tonfall machte mich skeptisch. "Bist du verrückt?" war dann auch meine erste Reaktion. "Wir haben überhaupt keine Ahnung davon, haben keinen Führerschein dafür und schon gar kein Geld." Aber diesen Tonfall kenne ich genau und ahnte, dass es bereits zu spät war. Andreas hatte zufällig im Frühsommer 2001 auf dem Rückweg von einem geschäftlichen Termin Zeit, mal bei der Firma Drettmann in Weyhe rein zu schauen. Zufällig hatte er Zeit für einen kurzen Gang über den Platz, auf dem die zu verkaufenden Boote standen - und da sah er sie. Die Maris II. In einer Halle zum Überarbeiten.

Fast 30 Jahre alt und sozusagen Vollwaise. Denn der Eigentümer war verstorben, und die Erben wollten das Schiff so schnell wie möglich in bare Münze umsetzen. Als Andreas also an einem Sommernachmittag mit der belanglosen Frage um die Ecke kam, war schon längst verhandelt. Der Preis um fast die Hälfte gedrückt, denn der Kauf war ein Glücksspiel: eine der beiden Maschinen sprang partout nicht an. "Das kann eine einfache Sache sein", meinten damals die Mechaniker, "das kann aber auch ein richtiger Maschinenschaden sein - und dann wird`s teuer". Die Erbengemeinschaft wollte keinen Cent mehr in die Erforschung der Ursache stecken, gab deshalb lieber großzügig Rabatt. Für Anfreas stand fest: Das wird unser Boot. Der Entschluss löste zunächst eine handfeste Beziehungskrise aus. Einen alten Kahn kaufen, bei dem mal nicht mal weiß, wieviel noch reinzustecken ist und die Frage, ob mir das Bootsleben überhaupt gefällt - niemals. Einige erbitterte Auseinandersetzungen später fanden wir den Kompromiss: Boot wird gekauft, dafür muss unser geliebtes Wohnmobil weg. Es werden sofort die Sportboot-Führerscheine in Angriff genommen. Und nach der ersten Saision wird neu diskutiert, ob das Boot bleibt oder nicht.

Natürlich war der Defekt an der Maschine irreparabel: Wasser war über den Wärmetauscher in die Brennkammern gelangt und hatte die Maschine ruiniert.

Es gabe zwei Alternativen: Eine neue Maschine rein, die zweite so lassen, wie sie ist. Auf die Frage, wie lange es die andere wohl noch macht, gab es nur ein Schulterzucken des Mechanikers. Das reichte, um die zweite, im Augenblick zwar wesentlich teurere, aber sichere Variante zu wählen: Zwei neuwertige gebrauchte Maschinen sollten her. Da war uns das Glück noch hold: Wir fanden die passenden Maschinen per Anzeige bei einem Händler.

Konten und Köpfe völlig leer...

Der Einbau in einer angeblichen Fachwerkstatt allerdings geriet zum Desaster. Tägliche neue Hiobsbotschaften darüber, was nicht passt, was noch neu muss und was nie so funktionieren wird und stetig steigende Kosten stellten meine Sympathie für die Maris II erneut auf eine harte Probe. "Ich hab`s dir ja gleich gesagt", war in diesen Tagen der meist gesprochene Satz. Alles in allem haben wir den Preisnachlass beim Kauf des Bootes locker wieder drauf gezahlt... Nebenher haben wir dann mal so eben unsereSportboot-Führerscheine "Binnen" und "See" gemacht. "Die schafft ihr locker beide zusammen", hatte unser Lehrer uns damals versprochen. Von wegen: Als absolute Laien quälten wir uns wochenlang durch die Materie. Betonnung, Leuchtfeuer und Schallsignale waren mir ein Rätsel. Zunächst besuchten wird den Kurs nur einmal die Woche, dann zweimal, und schließlich fuhren wir Sonntags vormittags noch privat zu dem Lehrer - wegen der Navigation... Als wir im November 2001 beide die Prüfungen bestanden, waren unsere Konten und Köpfe völlig leer...

Deshalb lagen eigentlich die Nerven blank, als der große Tag kam. Die Maris II glitt im Mai 2002 (geplant war Februar) in Weyhe bei Bremen auf die Weser. Beinahe setzt die "Fachkraft" aus der "Fachwerkstatt" das Schiff dabei auf die mit Steinen durchsetzte Uferböschung. Das Steuern eines Bootes mit Vierhebel-Schaltung will eben gelernt sein - was wir ebenfalls in den kommenden Wochen schweißgebadet feststellen mussten.

Aber dann wird langsam alles besser. Andreas lernt sehr schnell, das Boot nicht nur geradeaus zu fahren, sondern auch zu rangieren. Die ersten Wochen dürfen wir noch - von der "Fachwerkstatt" organisiert - in einer kleinen Marina in der Nähe von Bremen, in der Marina Wieltsee, verbringen. Die Weser entpuppt sich dabei als optimales Übungsterrain für uns - und als wunderschön. Immer wieder riskieren wir erste Ausfahrten auf den lebhaften Fluss hinaus. Insbesondere Andreas wird immer sicherer im Steuern, Rangieren und Ankern, und im unfallfreien Umgang mit den riesigen Binnenschiffen. Eigentlich ist das ganz einfach: Die Riesenpötte haben einfach immer Vorfahrt... Außerdem lernen wir eine Weser-Spezialität: Manche Uferstellen sind flach und versandet. Mit etwas Geschick, das sich Andreas schnell angeeignet hat, kann man das Boot sanft auf den Sand aufsetzen und direkt von Bord an den Strand springen An einem sonnigen Frühsommernachmittag hält die Maris schließlich auch dem Urteil ihrer schärfsten Kritiker stand: Die Eltern von Andreas reisen an, mit Schwager und Schwester, Nichte und Neffen. Schnell sind auch sie, die bislang dem Unterfangen "Maris II" fassungs- und verständnislos gegenüber standen, dem Charme des alten Bootes und der Weserstrände erlegen.

Einige Wochen später heißt es: Abschied nehmen von Wieltsee. Unser Plan, das Boot eigentlich gleich ins Mittelmeer zu verlegen, haben wir erst mal verschoben. Zu viel müssen wir noch lernen, sowohl auf dem Wasser als auch, was das Boot betrifft. Denn über die Maris II gibt es keinerlei Unterlagen oder Betriebsanleitung mehr. So entgehen wir mehrfach nur knapp dem Erstickungstod und einer lodernden Stichflamme, als wir versuchen, den altertümlichen Petroleum-Herd in Gang zu setzen. Beim einfachen Kaffee kochen steht anfangs immer ein Eimer mit Löschwasser bereit, Küchenhandtücher, Topflappen und alles andere brennbare Material in der Nähe des Herdes wird entfernt, das Küchenfenster weit geöffnet. Das geht so lange, bis Andreas auf einer Bootsmesse endlich jemanden findet, der Herde ähnlichen Modells vertreibt - und der weiß schließlich Abhilfe. Die Bordelektronik und die zahlreichen Kabelverbindungen erforscht Andreas mit Try and Error, wobei Error häufig überwiegt.

Umzug an den Mittellandkanal

Also wird die Maris II zunächst statt in südliche Gefilde an den Mittellandkanal verlegt. Im WSV Preußisch Oldendorf finden wir eine sehr freundliche Aufnahme und sofort tatkräftige Hilfe. Denn die Maris allein die Weser runter bis Minden, durch die berüchtigte Schachtschleuse auf den Kanal und schließlich den Mittellandkanal zu fahren, das trauen wir uns noch nicht so recht zu. Was uns in der Hauptsache Angst macht, sind die zahlreichen Schleusen, die es zu überwinden gilt. Vereinsvorsitzender Helmut Krysiak dagegen ist ein alter Seebär, was das Schleusen angeht. Trotz fortgeschrittenen Alters und einem Handicap an seiner rechten Hand ist Helmut für uns nicht nur in diesem Fall Helfer, Ideengeber, Organisator und manchmal auch Retter in der Not. "Ich fahre mit euch die Maris II bis nach Preußisch Oldendorf und zeige euch, wie das Schleusen funktioniert - gar keine Frage", sagt er sofort zu.

An einem Freitag Mittag geht`s los, und als ich am Samstag Morgen in Hoya dazu komme, haben die beiden gleich eine schlechte Nachricht für mich. Es gibt ein Problem mit einer Welle, so das die Maris nur noch mit einer Maschine gefahren werden kann. Das hat wieder erhebliche Auswirkungen auf die Steuerbarkeit. Das Schiff fährt nur noch geradeaus oder rechts rum. Während wir noch sorgenvolle Gesichter machen, hat Helmut natürlich schon eine Idee. "Wir fahren langsam bis Nienburg", plant er Brötchen kauend am frühen Morgen, "zwischendurch fragen wir telefonisch bei der Wasserschutzpolizei nach, ob die uns in Nienburg einen Taucher besorgen." Der Plan funktioniert, die Reparatur kostet aber nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. Spätabends schleusen wir von der Weser auf den Mittellandkanal. Wir in einem Fahrstuhl wird die Maris in der alten, 14 Meter hohen Schachtschleuse hochgehoben, in Windeseile müssen die Leinen nachgegeben und neu festgemacht werde. Helmut ist die Ruhe selbst und zeigt uns manchen Trick und Kniff bei der Angelegenheit. Mittlerweile ist es stockdunkel. Während Andreas und ich dafür plädieren, irgendwo in Minden an der Spundwand fest zu machen und zu übernachten, ist Helmut anderer Meinung. "Ihr sollt mal sehen, wie hell das gleich auf dem Wasser wird - wir fahren durch." Ich sehe nichts mehr da draußen, Andreas auch nicht, Helmut dagegen steuert die Maris unbeirrt und sicher im Dunkeln bis Preußisch Oldendorf. Ankunft zu sehr später Stunden, was einige Vereinsmitglieder nicht davon abhält, uns mit einem kleinen Feuerwerk zu begrüßen. Wir sind völlig fertig und todmüde, aber stolz und glücklich über die freundliche Begrüßung.

Die Sommermonate in Preußisch Oldendorf und auf den Binnengewässern der Region sind aufregend. Das Vereinsleben macht uns regelrecht Spaß. Trotzdem die meisten Mitglieder schon Jahrzehnte im Verein sind, sich eigene Gruppen und Grüppchen gebildet haben und jeder so seiner eigenen Wege geht, werden wir sofort aufgenommen und einfach mit einbezogen. An zahlreichen Grillabenden und bei Vereinsfesten erfahren wir unglaublich viel aus dem unschätzbaren Wissensfundus der Sportbootler. Immer wieder treffen sich mehrere erfahrene Clubmitglieder wie zufällig an der Maris, und dann geht die Fachsimpelei los. Unsere Probleme mit den Maschinen, den Wellen und der Bordelektrik - die leider anfangs noch mannigfaltig in Erscheinung traten - waren auch ihre Probleme. So mancher Ratschlag hat uns da weiter geholfen, ebenso wie der häufig geäußerte Satz "Ich glaube, ich kenne da einen, der kennt einen, der das kann."

"Der Kahn kommt weg, ich will wieder ein Wohnmobil!"

Die erste richtige "Urlaubsfahrt" mit der Maris allerdings entfachte erneut hitzige Diskussionen über das Für und Wider des Bootes. Die Tour sollte bis nach Hannover und zurück gehen. Der erste Tag begann mit Regen, der die gesamte Woche anhielt. Es war das Jahr der Hochwasserkatastrophe in Deutschland, und das Regengebiet traf auch uns mit voller Härte. Wenig vorbereitet auf schlechtes Wetter, waren wir bereits am ersten Tag vollkommen durchnässt. Die Klamotten waren auf dem komplett durchfeuchteten Boot natürlich nicht mehr trocken zu kriegen. Am zweiten Tag Dauerregen gab die Maris dann ihre Schwachpunkte preis. Es tröpfelte durch, natürlich in die Kabinen. Bis wir es bemerkten, waren auch die Matrazen und das Bettzeug nass. Ich wollte sofort von Bord - aber wohin in dem Regen, ohne trockene Kleidung zum Wechseln? Ein telefonischer Hilferuf an die in Hannover wohnende Schwester von Andreas lief ins Leere. Die hatte das Haus vom Keller bis zum Wohnzimmer unter Wasser stehen und wenig Sinn für unsere Nöte. Also hielten wird durch, doch die Stimmung war hin. Als uns an meinem Geburtstag mit einem deutlichen Knacken wieder eine Welle im Stich ließ und wir aufgrund der eingeschränkten Manövrierfähigkeit bei der Ausfahrt aus der Marina ..... eine Mauer rammten und ich natürlich daran Schuld sein sollte, weil ich das Boot nicht schnell genug mit dem Bootshaken abgehalten hatte, teilte ich Andreas durchnässt, frierend und lautstark meinen Entschluss fest: "Der Kahn kommt weg, ich will wieder ein Wohnmobil!".

Da weiß auch Helmut keinen Rat mehr. "Ich sag euch nur eines: wenn ein Paar ein Boot hat und die Frau macht nicht mehr mit - dann geht die Beziehung meist in die Brüche." Er hat auch gleich ein paar Beispiele parat. Also raufen wir uns wieder zusammen. Ich räume zähneknirschend ein, dass die erste Tour unter einem höchst unglücklichen und ungewöhnlichen Stern stand, was die Wetterbedingungen angeht. Im Spätsommer versuchen wir es noch mal, in die andere Richtung bis nach Bremen. Und diesmal haben wir mehr Glück. Die Sonne scheint, das Weserwasser glitzert und funkelt in allen Farben, an den Weserauen kreuchen und fleuchen alle möglichen Vier- und Zweibeiner und selbst ein missglücktes Anlegemanöver im Bremer Stadthafen bringt uns nicht aus dem Konzept. Vielleicht wird das ja doch noch mal was mit mir und der Maris...

Wohin mit dem Boot im Winter? Die letzten warmen Septembersonnenstrahlen fallen auf den Steg des Vereinsheimes. Helmut ergreift die Initiative und fährt mit Andreas verschiedene Bauern in der Umgebung ab. Aber alle Scheunen sind belegt. Ratlosigkeit macht sich breit, bis endlich der berühmte Satz fällt: "Also ich kenne da einen, der war mal ne zeitlang in einer Marina bei Münster, vielleicht haben die noch...". Ein heißer Tipp. Ende Oktober starten wir an einem außerordentlich stürmischen Samstag zur "Überführung" der Maris II von Preußisch-Oldendorf bis zur Marina "Alte Fahrt" Münster-Fuestrup. Gelbe, rote und noch grüne Blätter fallen haufenweise von den Bäumen am Ufer ins Wasser, Windböen drücken das Boot von rechts nach links und umgekehrt, hin und wieder gibt es einen Regenschauer. Aber noch ist der Wind nicht so kalt, und das Herbstlicht im Zusammenspiel mit den übers Wasser fegenden Regentropfen entschädigt voll und ganz. Wir genießen die Tour, frühstücken während der Fahrt und kommen ohne Probleme in unserem Winterlager in Münster/Fuestrup an.

Wer ist der verdreckte, durchgefrorene und ausgehungerte Mann?

In den Wintermonaten 2002/2003 frage ich mich an manchem Abend, wer denn der verdreckte, durchgefrorene und ausgehungerte Mann ist, der da abends zu mir nach Hause kommt. Ach ja, das muss Andreas sein, der wohnt ja eigentlich hier und nicht auf dem Boot. Aber das macht sowieso keinen Unterschied mehr, denn das halbe Boot lagert mittlerweile bei uns zu Hause. Matrazen, Gardinen, Badeleiter, Gangway und alle übrigen abmontierbare Holzteile, die man irgendwie lackieren kann. Gleichzeitig kommen ebenso viele bei Versandhandeln bestellte Ersatzteile, Seekarten und eine neue Bordtoilette zuhause an. Andreas lebt auf der Strecke Bad Laer - Münster und auf dem Boot. Gäbe es einen Wettbewerb in Sandwich-Pakete zusammenstellen inklusive heißem Kaffee in Warmhaltekannen - ich würde garantiert gewinnen. Es dauert Wochen, bis die Maris II zunächst winterfest, dann mittelmeergeeignet und schließlich transportfertig ist. Denn wir wollen es wagen und das Boot in wärmere und trockenere Gefilde bringen. Und dann beginnt im März 2003 der erste große Törn...

Dagmar

Teil 2: Auf ans Mittelmeer -hier klicken-


    

    

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